Ratgeber: Wildtiere fotografieren

Wildtierfotograf kontrolliert die Schärfe des geschossenen Fotos des jungen Habichts

Das Fotografieren von wilden Tieren kann extrem fordernd und frustrierend sein. Um unsere heimischen, teils extrem scheuen Wildtiere vor die Kamera zu bekommen stehen wir früh auf, wandern mit irre schweren Rucksäcken und setzen uns den widrigsten Wetterbedingungen aus.

Dazu müssen im richtigen Augenblick die passenden Kameraeinstellungen getroffen werden. Das ist nicht immer einfach! Keine andere Art der Fotografie fordert so viel Wissen, Vorbereitung und Übung.

Genau dabei möchte ich dich unterstützen. Dieser Ratgeber vermittelt dir das nötige Wissen, das du für den ambitionierten Einstieg in die Wildtierfotografie benötigst.


Die größten Schwierigkeiten in der Wildtierfotografie sind große Fluchtdistanzen, schlechte Lichtverhältnisse und unbequeme Aufnahmepositionen

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Besondere an der Wildtierfotografie?

Junger Habicht rupft eine frisch erbeutete TaubeJunger Habicht rupft eine frisch erbeutete Taube.
[Panasonic G9 mit PanaLeica 100-400@400mm, f6.3, 1/640s, ISO 400]

Die Wildtierfotografie (oder Wildlife-Fotografie) verbindet die Leidenschaft zur Natur mit der komplexen Technik der Fotografie. Dabei ist das Foto oft nur ein Vorsatz um kleine Abenteuer in unseren Wäldern, Gebirgen oder an unseren Gewässern erleben zu können.

Wenn du nach tagelangem Warten aufs Wochenende und stundenlangem Ausharren im Regen, endlich das Tier im Sucher erblickst, dann lebst du in diesem Moment. Dein Herz pumpt, die Sinne sind geschärft und du fokussierst dich nur noch auf dein Motiv. Und gerade weil du alles andere in deinem Kopf ausblendest, wirst du dich noch lange an dieses Erlebnis erinnern – und genau diese Erinnerungen machen deine Fotos zu etwas ganz Besonderem. Die meisten Fotos sind nicht nur geknipst, sondern das Ergebnis von Herzblut, Disziplin und magischen Momenten. Das ist das Besondere an der Wildtierfotografie!

Wie komme ich nah genug an die Wildtiere heran?

Beim Einstieg in die Wildtierfotografie sieht es bei jedem im Kopf ähnlich aus:

„Am Wochenende gehe ich tief in den Wald, fernab von den Wegen und schieße mit meiner neuen Kamera die geilsten Bilder von wilden Tieren. Ich bin gespannt, was mir alles über den Weg läuft… Rehe, ein Fuchs, ein Waschbär… und gibt es bei uns eigentlich Hirsche? Und in den Medien haben sie gesagt, dass bei uns wieder Wölfe unterwegs sind, das wäre ja…“

Leider holt einen die Realität schnell ein, denn die Tiere sind teilweise oder ganz nachtaktiv und riechen, hören und sehen dich, bevor du überhaupt mitbekommen hast, dass da etwas ist. Selbst wenn man auf der Fotopirsch, als blutiger Anfänger zum Beispiel mal auf ein Reh trifft, so sieht man auf dem Foto meist nur ein Tier in 30 Metern Entfernung in Schockstarre mit zahlreichen Ästen dazwischen (siehe Foto aus meinen Anfangstagen).

Dazu kommt, dass man ohne das nötige Wissen, die Tiere in ihrem Lebensraum stört, was besonders im Winter zum Tod durch Erschöpfung führen kann. Auch sollte man immer wissen, wann in dem Lebensraum, indem man fotografiert, Balz-, Paarungs- oder Brutzeit ist. Hier sollte man meiner Meinung nach lieber auf Fotos verzichten, eher man die Tiere stört.

Selbst wenn man mit dem Verhalten der Tiere gut vertraut ist, so sind die Begegnungen oft zu kurz, um als Anfänger in der kurzen Zeit ein sehenswertes Foto zu schießen.

Die Begegnungen mit wilden Raubtieren beschränken sich oft auf kurze Momente. Füchse und Dachse sind zum Beispiel nachtaktiv und man bekommt sie bei Tageslicht nur selten zu Gesicht. Wenn dann streifen sie auf Futtersuche recht schnell durch den Wald und sind auch entsprechend schnell wieder verschwunden. Steinmarder und Mauswiesel wiederum sind sehr flink und aufmerksam. Hier sind die Chancen auf eine Begegnung, länger als 2 Sekunden, leider sehr gering.

Bei Rehen und Hirschen besteht wieder ein anderes Problem. Sobald man nah genug herangekommen ist, um wirklich herausragende Bilder machen zu können, ist die Chance sehr hoch, dass die Tiere dich riechen oder auch bei guter Tarnung, zumindest dem Frontglas deiner Linse skeptisch gegenüberstehen und sich langsam zurückziehen.

Die perfekte Location zum Üben: Der Wildpark

Rothirsche bei der Brunft im Wildpark Bredeney Ab September beginnt in unseren Breiten die Brunft der Rothirsche. Die Zeit kann man gut nutzen um unter kontrollierten Bedingungen das Verhalten der Tiere zu studieren. [Location: Wildpark Essen-Bredeney | Sony Alpha 350 mit DT 55-200@f8, 1/125s, ISO 400]

In den wenigen Sekunden, die einem oft bleiben, um wilde Tiere abzulichten, darf eigentlich nichts schiefgehen. Nicht nur ISO, Verschlusszeit, Blende und AF-Modus müssen stimmen, auch die Bildkomposition muss blitzschnell getroffen werden.

Die wenigen Augenblicke, in denen man auf seinen Fotoausflügen Tiere zu Gesicht bekommt, reichen in der Regel nicht aus um zu lernen, wie man seine Kamera sicher und zügig bedient und die Bildkomposition auswählt.

Abhilfe können hier Wildparks schaffen, die fast jeder in 30 Minuten Fahrzeit erreichen kann. Die häufigsten Tiere in solchen Wildgehegen, die man auch in unseren Wäldern antreffen kann, sind Rothirsche, Wildschweine und Sikahirsche. Meist kann man sich um das ganze Gehege herum bewegen und die Tiere einzeln und im Rudel, von nah und fern beobachten und fotografieren. Man kann sich stundenlang Zeit nehmen und die Tiere beim Fressen, ruhen und während ihres Sozialverhaltens aufnehmen

So lernt man nicht nur seine Kamera perfekt zu beherrschen, sondern hat in Momenten, in denen es schnell gehen muss, fix die richtige Bildkomposition gewählt.

Welchen Schaden kann ein unerfahrener Wildtierfotograf anrichten?

Er kann die Tiere in ihrem Verhalten stören, sie zur Flucht bewegen, auf Feinde aufmerksam machen oder im schlimmsten Fall die Elterntiere von Ihren Jungen/Ihrer Brut trennen.

Wer die Tiere bei starkem Schneefall und schlechtem Nahrungsangebot durch die Gegend hetzt, riskiert gar den Tod der Tiere. In vielen Fällen fahren die Wildtiere ihren Stoffwechsel als Überlebensstrategie herunter. Durch Störungen und die resultierende Flucht verbrauchen die Tiere wichtige Energiereserven.

Das Wohl und das Leben der Tiere ist immer wichtiger als ein Foto!

Wenn Fotografen die Gefahren nicht erkennen


Fotograf kommt Robben beim Fotografieren gefährlich nah

Für ein herausragendes Foto gehen sehr viele Naturfotografen nicht nur Risiken für die Tiere ein, sondern gefährden sich oft selbst. Selbst wenn Bären, Elche, Moschusochsen oder Kegelrobben im ersten Augenblick ruhig erscheinen, wissen wir nie was in ihren Köpfen vorgeht. Die Stimmung kann jederzeit umschlagen.

Ich konnte selbst eine solche Erfahrung machen. Zu Beginn meiner Fotografenkarriere, saß ich mit meiner Kamera am Strand von Helgoland Düne. Zuerst habe ich den vorgeschriebenen Abstand eingehalten, doch mit kommender Flut kamen die Tiere immer näher. Ich fand das faszinierend und habe mich fast nur auf die Fotos konzentriert.

Zugegeben, es war ein sehr intensives Erlebnis, jedoch im nachhinein betrachtet sehr gefährlich. Ich hatte mich kaum vorbereitet und die 250 kg schwere Kegelrobbe so nah an mich rangelassen, dass sogar die Naheinstellgrenze von meinem damaligen Sony 70-400 G SSM unterschritten wurde. Als dann von hinten eine Welle auf die Kegelrobbe traf, machte das Tier plötzlich einen großen Sprung nach vorne, direkt an die Stelle, von der ich mich, knapp durch einen Hechtsprung retten konnte. Das Tier war deutlich agiler als ich dachte.

Die perfekte Fotolocation ist bei dir um die Ecke

Technisch perfekte Fotos von Rehen, Hasen und Fasanen kann man immer und nahezu überall schießen, aber für die richtig guten Fotos mit außergewöhnlichen Lichtverhältnissen und seltenen Tieren, muss man entweder richtig Glück haben oder die Fotolocation kennen wie die eigene Westentasche.

Daher ist es stark von Vorteil, wenn man sich auf eine oder wenige Fotolocations in der Nähe seines Wohnortes beschränkt und diese regelmäßig besucht. Man sieht jeden Tag mehr Motive, Spuren und Arten. Außerdem bekommt man ein gutes Gespür dafür, wie das natürliche Licht vor Ort wirkt.

Wahrnehmung der Tiere

In der Vorbereitung auf eine Fototour, solltest du dich auf jeden Fall informieren, ob die Tiere sich eher mit den Augen orientieren oder sich eher auf ihren Gehör- und Geruchssinn verlassen. Reine Waldtiere wie zum Beispiel Rehe, haben eher schlechte Augen, dafür aber ein gutes Gehör und ein gutes Riechorgan. Fasane hingegen riechen schlecht, aber sehen und hören hervorragend. In beiden Fällen haben die Tiere die Werkzeuge, um sich in ihrem speziellen Lebensraum vor Gefahren schützen zu können.

Fotografieren ohne Aufscheuchen: Richtig Verhalten bei heimischen Wildtieren

Wenn Spaziergänger redend und lachend durch den Wald laufen, erkennen alle Tiere, dass es sich nicht um eine wirkliche Gefahr handelt. Das Wild hält den nötigen Abstand, wird aber durch solche alltäglichen Geräusche nicht aufgescheucht. Die Tiere wissen, dass Menschen nur eine Gefahr darstellen, wenn die Zweibeiner auffallend leise durch den Wald pirschen.

Und das ist die Krux bei der Sache, denn genauso bewegen sich auch Naturfotografen durch den Wald. Sobald man ein Tier sichtet, ist es daher besonders wichtig alle Bewegungen erst einmal „einzufrieren“. Sobald das Wild die Situation erfasst hat und nicht mehr schreckhaft ist, sollte man sich weiter ruhig verhalten und je nach Situation vorerst einen langsamen Rückzug antreten. Sobald sich das Tier abwendet kann man in der Regel in die Hocke gehen und vorsichtig mit dem Fotografieren beginnen.

Auch hilft es, sich vom Tier abzuwenden und so zu tun, als wenn man sich für die Brombeeren am Wegrand interessieren würde. Unter Umständen kann das bei Rehen und Fasanen sogar dazu führen, dass sie dich (mit dem nötigen Abstand) akzeptieren. So kannst du ganz in Ruhe deine Fotos schießen.

Füchse und Dachse ergreifen grundsätzlich sofort die Flucht. Falls du aber mal einen Dachs siehst, der dich noch nicht bemerkt hat, bleib einfach stehen, halte still und bewege deine Kamera nur im Schneckentempo. Der Dachs wird einfach an dir vorbeilaufen, ohne dich zu bemerken. Wenn du jetzt den elektronischen Verschluss aktiviert hast, dann musst du dir keine Sorgen machen, das Tier aufzuscheuchen. Wichtig ist in dem Fall aber, still stehen zu bleiben, bis der Dachs außer Sichtweite ist. Sonst war die ganze Mühe für den Eimer und das Tier ergreift doch die Flucht und wird auf seiner abendlichen Futtersuche unterbrochen.

Noch einen Sonderfall stellen Feldhasen dar. Wenn sie dich bemerken, halten sie still, gucken eventuell auch in deine Richtung, weil sie sich voll und ganz auf ihre Tarnung verlassen. Aber selbst wenn du dich zurückzieht und dem Tier keinen Grund zur Flucht lieferst, so flüchtet der Hase, sobald du außer Sichtweite bist.

Feind oder Freund: Der Wind in der Wildtierfotografie

Ein altes Jägersprichwort besagt: „Wenn der Wind weht mit Gesause, bleibt der Jäger ruhig zu Hause!“. Da ist natürlich etwas Wahres dran. Bei starken Windböen besteht nicht nur die Gefahr von herabfallenden Ästen, sondern nahezu alle Wildtiere befinden sich in Deckung. Daher wird man an solchen Tagen, kein Tier vor die Linse bekommen.

Die Windrichtung – ein unzuverlässiger Partner

Bei normalen Windgeschwindigkeiten, kann man die Windrichtung in der Regel ziemlich einfach mit den eigenen Sinnen oder bei schwachen Wind mit einem Feuerzeug feststellen. Doch es kann immer wieder vorkommen, dass sich der Wind anders verhält als gedacht. Besonders wenn die Sonne bestimme Bereiche am Boden erwärmt, steigt die warme Luft nach oben und erzeugt einen Sog, der wiederrum kalte Luft anzieht. Das kann lokal dazu führen, dass sich dein Geruch über Umwege entgegen die Windrichtung verteilt und deine tierischen Fotomotive zur Flucht bewegt.

Daher sollte man den Wind vor Ort immer genau prüfen und seinen Fotoansitz oder die Route zur Fotolocation entsprechend anpassen. Das geht grundsätzlich mit allen Dingen, die sehr leicht sind und sich mit dem Wind bewegen.

Die besten Windprüfer
3 Windprüfer im Bild: Talkum-Sprühdose, Seifenblasen und Federpflaumen

  • Seifenblasen zeigen die Windrichtung hervorragend, gut sichtbar über lange Distanzen an, sind jedoch im Umgang umständlich und hinterlassen schnell klebrige Hände und Innentaschen.
  • Feines Pulver in Plastikflaschen (z.B. Talkum) eignet sich am besten zum Prüfen von Wind. Durch einen Druck erzeugt man eine feine Wolke, welche die Windrichtung in der mittleren Umgebung sehr gut anzeigt. Am besten eignen sich hier die speziellen Windprüfer für Jäger. Dafür gibt es auch Nachfüllpacks.
    Diesen hier benutze ich selbst (geruchsneutral, sauber und nachfüllbar): Ostermayer Jagd Windprüfer bei Amazon
  • Feine flusige Federn eignen sich ebenfalls hervorragend zum Prüfen der Windrichtung. Diese kann man wunderbar in einer kleinen Dose aufbewahren.
  • Pusteblumen sind von April bis Juni überall zu finden und ebenfalls Super Windprüfer. Man kann sich auf dem Weg zur Fotolocation ein paar davon einsammeln und in einer kleinen Box aufbewahren.
Es gibt noch zahlreiche mehr oder weniger geeignete Möglichkeiten den Wind zu prüfen. Da sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Achtet aber bitte darauf, dass die Mittel nicht die Umwelt belasten und geruchsneutral sind.

Die Wahl der Kleidung

Auch wenn viele Tiere farbenblind sind oder ein anderes Farbspektrum wahrnehmen als wir, so ist es dennoch ratsam unauffällige Kleidung, ohne glänzende Einzelteile wie Schnallen und Reißverschlüsse zu tragen. Außerdem sollte der Stoff nicht rascheln und keine Reflektoren oder Signalfarben enthalten.

Es ist übrigens umso wichtiger, sich vor anderen Menschen zu verstecken. Als Fotograf erregt man schnell Aufmerksamkeit und die Spaziergänger suchen dann aufgeregt nach dem Motiv, was leider meist in der Flucht der Tiere endet. Außerdem ist es doch schöner unentdeckt zu bleiben und nicht jedem zweiten vorbeilaufenden Pärchen Rede und Antwort stehen müssen. Hierfür hilft meist schon ein günstiger Tarnanzug.

Besonders bei einem längeren Marsch ist es außerdem ratsam sich im Zwiebelprinzip zu kleiden, dann kann man sein schützendes Fell jederzeit dem aktuellen Bedürfnis anpassen.

Einen nützlichen Beitrag zum Zwiebelprinzip findest du hier: Zwiebelprinzip: Für jedes Wetter optimal gerüstet bei bergreif.de

Einigen Gedanken zu Verstecken und Tarnzelten

Egal um welche Art von getarntem Versteck es sich handelt: Viele Tiere nehmen die Veränderung in ihrer Umgebung wahr und reagieren mit Skepsis, manchmal mit Neugier oder sie meiden den Bereich komplett. Daher ist es wichtig möglichst viele ortsansässige Tarnmaterialien mit einzubringen.

Besonders knifflig ist die Tarnung bei Prädatoren wie Greifvögeln und Füchsen, aber auch bei Rabenvögeln. Selbst wenn sich das Versteck gut in die Umgebung einpasst, wird man dennoch häufig durch die Frontlinse des Objektivs verraten. Abhilfe schafft hier eine mindestens eintägige Gewöhnungsphase mit einem Dummy-Objektiv.

Taktik ohne Tarnung: Unauffällig, aber offen sichtbar annähern

Wildtierfotograf in voller TarnmonturWenn man sich ruhig verhält, können besonders Rehe schnell ihre Scheu verlieren.
[Panasonic G91 mit PanaLeica 100-400@400mm, f6.3, 1/80s, ISO 3200]

Besonders bei Spaziergängen in der Morgen- und Abenddämmerung trifft man häufig, zufällig auf Wildtiere in Feldern oder lichten Waldabschnitten. Wenn die Rehe, Hirsche oder Fasane bereits die Köpfe gehoben haben, dann sollte man die Tiere lediglich im Augenwinkel behalten, aber erstmal so tun, als ob man sich mit anderen Dingen am Wegrand beschäftigt. Sobald das Wild wieder anfängt zu fressen, hat es dich als keine oder nur als geringe Gefahr eingestuft.

Jetzt kannst du anfangen die Tiere zu fotografieren. Mit der Kamera Richtung Boden gerichtet kannst du dich außerdem weiter, langsam annähern. Dabei darfst du dich aber nie auf direkter Linie annähern. Wichtig ist außerdem, sich niemals mehr als 20 Meter zu nähern. Die Fluchtdistanz ist je nach Region und Jagddruck unterschiedlich, aber damit dürfte man auf der sicheren Seite sein.

Möglichkeiten zum Fotografieren von Wildtieren (Pirsch, Ansitz)

Ansitzfotografie

Ansitzfotografie im Tarnanzug

Anstatt nach den Wildtieren zu suchen und sich an ihre Fersen zu heften (was besonders bei ungeübten Naturfotografen oft zur Flucht des Fotomotivs führt), kann man das Tier auch zu sich kommen lassen.

Dazu sollte man vorher einen entsprechenden Ansitzplatz ausfindig machen. Um herauszufinden, wo sich die entsprechenden Tiere aufhalten, ist es am besten, früh Morgens und spät Abends auf Erkundungstour zu gehen, oder die Feldwege langsam mit dem Auto abzufahren. So kann man leicht dämmerungsaktives Wild ausfindig machen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, Wildkameras an potentiell interessanten Orten anzubringen, um dann herauszufinden, was da, zu welchem Zeitpunkt kreucht und fleucht.

Wichtig: Ruheplätze, Balzplätze, Baue oder Nistplätze sollten nur aufgesucht werden, wenn eine Störung absolut ausgeschlossen ist. Es kann hier leicht dazu führen, dass die Elterntiere ihre Jungen zurücklassen und Diese verhungern. Im Winter kann das Stören an Ruheplätzen dazu führen, dass die Tiere zu viel Energie für die Flucht aufwenden müssen und den Winter nicht überstehen. Normal fahren sie den Großteil des Tages ihre Aktivität stark herunter um kostbare Fettreserven zu sparen.

Bei der Ansitzfotografie ist die Windrichtung besonders wichtig. Der Wind muss immer aus der Richtung des Fotoziels kommen. Wenn der Wind drehen sollte, so sollte dem Tierwohl Vorrang gegeben werden und der Platz behutsam verlassen werden.

Auch sollte der Ansitzplatz im Allgemeinen erst verlassen werden, wenn die Tiere sich zurückgezogen haben und nicht mehr in Sichtweite sind. Das verhindert in erster Linie eine Störung der Tiere, sorgt aber auch dafür, dass das Wild nicht misstrauisch wird und am nächsten Tag wiederkommt. Oft meiden Wildtiere Orte, an denen sie aufgescheucht worden sind, mehrere Tage bis Wochen.

Für die Tiere unsichtbar machen - Tarnung beim Fotoansitz

Bei der Ansitzfotografie muss man sich nicht zwingend teures Tarn-Equipment kaufen, es kommt aber auf die Gegebenheiten vor Ort an. Wenn man zum Beispiel aus einem dunklen Waldabschnitt freie Sicht auf eine Wiese hat, kann man sich einige Meter in den Wald zurückziehen, das Stativ vor einem Baumstamm aufbauen und braucht sich (wenn die Windrichtung stimmt) kaum Gedanken um die Tarnung zu machen (unauffällige Kleidung vorausgesetzt).

Eine weitere kostengünstige Möglichkeit wäre es, sich einige Tage vorher aus Stämmen, Ästen, Blättern, etc ein entsprechendes Tarnversteck oder eine Tarnwand zu bauen.

Sehr hilfreich ist hier allerdings ein größeres Tarnnetz, dass nicht nur eine gute Grundtarnung bietet, sondern daran lassen sich auch hervorragend Tarnmaterialien aus der Umgebung befestigen. Mit der nötigen Zeit und Kreativität lässt sich hier einiges bewerkstelligen.

Meine ganze Tarnkleidung und Ansitzausrüstung, findest du in meiner Empfehlungsliste zur
Tarnung in der Wildtierfotografie (Amazon-Ideenliste von waldfoto.de)
Darunter außerdem das, meiner Meinung nach beste Camping-Klo 😉 zum längeren Ansitz im Tarnzelt.

Als Tarnzelt empfehle ich Tragopan oder Buteo. Es gibt zwar auch günstigere Tarnzelte, für die kann und will ich aber keine Empfehlung aussprechen.

Wenn du über den Link etwas kaufst, erhalte ich vom Anbieter oder Online-Shop eine Provision. Am Preis ändert sich für dich nichts. Falls dir dieser Beitrag gefallen hat, also eine einfache Möglichkeit, waldfoto.de zu unterstützen!

Überwurf-Tarnnetz, kombiniert mit Tarnanzug

Solange man einen einigermaßen geschlossenen Hintergrund hat, kann es bereits ausreichen sich im Tarnanzug (oder ggf. nur unauffälliger Kleidung) mit einem Sitzkissen an einen Baum zu setzen und abzuwarten.

Das Tarnnetz muss dabei nicht größer als 2x2 m sein und wird über Stativ (auch Stativ-Füße) und Kopf gestülpt. Dabei sollten alle glänzenden Stellen, sowie gerade Linienverläufe (Stativ-Beine) abgedeckt sein. Wer will kann seine Tarnung noch durch Äste, Farne oder Gräser aus der Umgebung verbessern.

Bei dieser einfachen und kostengünstigen Art der Tarnung ist man jedoch gezwungen, schnelle Bewegungen zu vermeiden. Ansonsten werden die Tiere skeptisch und suchen schnell das Weite.

Das Auto als Fotoansitz
Fotoansitz im Auto mit TarnnetzKomfortabler als mit dem Auto geht Wildtierfotografie nicht

Besonders wenn man es auf Feldtiere wie Rehe, Hasen und Fasane abgesehen hat, kann das Auto eine sehr gute Option zum Fotografieren sein, denn die meisten Wildtiere sehen Autos nicht als direkte Gefahr an. Solange das Auto langsam unterwegs ist oder steht, kann man sich den Tieren in der Regel bis auf 20m nähern. Oft kommen die Wildtiere dann von selbst noch näher heran, vorausgesetzt man macht keinen Fehler wie ruckartige Bewegungen oder Fensterscheibe betätigen.

Die Fensterscheiben sollten immer erst dann heruntergelassen werden, wenn die Tiere es nicht mitbekommen. Zur Not einfach langsam ein Stück zurücksetzen, Fenster herunterlassen, Tarnnetz in der Türe einklemmen und wieder langsam Richtung Wild fahren.

Tarnzelt

Das Tarnzelt ist eindeutig die Königsklasse in der Ansitzfotografie. Die Tarnung ist meist schon von Haus aus sehr gut, doch wer über das Tarnzelt noch ein Tarnnetz wirft, der kann zusätzlich noch Tarnmaterialien aus der Umgebung wie Äste, Laub und Gräser anbringen. Zusätzlich zur optischen Tarnung, wird hier auch der Geruch recht gut abgeschirmt.

Im Tarnzelt ist man außerdem vor Wind und Regen geschützt und wenn man ein teureres Exemplar (z.B. Tragopan V6 für ca. 250 €) erwirbt, dann sorgt die Isolierungsschicht dafür, dass man es im Winter wärmer und im Sommer kühler hat.

Ein weiterer sehr wichtiger Vorteil ist die Bewegungsfreiheit. Man kann die Kamera jederzeit auf dem Stativ stehen lassen und sich einen Kaffee oder einen Snack gönnen ohne zu riskieren die Tiere zu verschrecken. Und wer besonders lange ausharren will, der kann zusätzlich zum Campingstuhl ein Campingklo in die Ecke des Zeltes stellen (ein ausreichend großes Zelt vorausgesetzt).

Wichtig, aber oft nicht beachtet – der Stuhl

Bei der Ansitzfotografie ist das Wort „sitzen“ ganz entscheidend, denn niemand kann stundenlang in der Hocke ausharren. Besorge dir also entsprechende Sitzmöglichkeiten wie Campingstuhl (z.B. Tragopan Koklass V2), Klapphocker (siehe Amazon-Liste oben) oder Sitzkissen mit integrierter Rückenlehne (z. B. Stealth Gear Sitzkissen). Achte nur darauf, dass die resultierende Sitzhöhe zur Höhe deines Tarnzeltes passt.

Die Fotopirsch

Bei der Pirsch versucht sich der Jäger (in unserem Fall Fotojäger) möglichst unbemerkt auf Schussweite anzuschleichen. Die Pirsch erfordert sehr viel Feingefühl, Übung und Wissen. Oft lassen sich Geräusche beim Laufen auf trockenen Laubböden oder knackende Äste nicht vermeiden. Diese Art der Fotografie ist daher, erstmal nur was für echte Waldläufer.

Doch selbst als erfahrener „Pirscher“ sind die Erfolgsaussichten auf natürliche Bilder niedriger als beim Ansitz. In der Regel werden die Tiere dich bemerken und dich stets im Blick haben. Das bedeutet, dass Dokumentationen über das Verhalten oder allgemein natürliche Aufnahmen kaum möglich sind. Stattdessen wird das Tier auf 80% der Bilder in deine Kamera schauen.

Für die Pirsch eignen sich verregnete Tage am besten, da Laub und Äste beim drauftreten kaum noch Geräusche machen.

Wichtig bei der Pirsch ist auch immer eine gebückte Haltung. Man muss sich möglichst kleinmachen, um von den Tieren nicht als potentielle Gefahr eingestuft zu werden. Wildtiere sehen Lebewesen, die kleiner sind als sie selbst, normalerweise nicht als Gefahr an.

Alternative Methode der Pirsch

Manchmal kann sogar leises Zureden in einer beruhigenden Tonlage helfen, die anfängliche Scheu des Tieres zu überwinden. Viele wilde Tiere können sehr neugierig werden, sobald sie merken, dass man ihnen nichts Böses will! Funktioniert bestens bei Rehen und Fasanen. Dachse und Hasen ergreifen jedoch sofort die Flucht.

Tarnung bei der Fotopirsch

Bei der Fotopirsch reicht es in der Regel aus, unauffällige, tarnfarbene oder dunkle Kleidung zu tragen. An den Klamotten sollten, wie weiter oben bereits beschrieben alle glänzenden und reflektierenden Teile entfernt oder verdeckt werden.

Noch besser kann man seine Silhouette natürlich durch einen Tarnanzug vor den Tieren verbergen. Diesen sollte man jedoch nur im einfachen Gelände nutzen, da die kleinen Kunstblätter ständig an irgendwelchen Ästen oder Sträuchern hängen bleiben. Besonders reißfest ist das dünne Material auch nicht, also vorsicht vor Brombeersträuchern!

Eine sehr wirksame und kostenlose Tarnung für die Pirsch gibt es auch noch. Halte dir beim Laufen einfach einen großen Ast mit Nadeln oder Blättern vor Gesicht und Körper. Das ist beim Fotografieren etwas umständlich, aber man spart sich zumindest die gebückte Haltung beim Pirschen (das mag ich persönlich gar nicht). Besonders im Augenblick nach den ganzen Kahlschlägen wegen dem Borkenkäfer findet man in fast allen Wäldern geeignete Schnittreste.

Ein weiteres Thema bei der Fotopirsch ist die Geräuschkulisse. Normal fällt einem das nie auf, aber viele Alltagsjacken entwickeln beim Laufen, Geräusche, die für die Waldbewohner fremd sind. Hier sollte man also auf leise Stoffe oder direkt auf spezielle Jagdkleidung zurückgreifen.

Vorbereitung und Planung für Wildtierfotografen

Vorbereitung und Planung zum Fotografieren von Fasanen

1. Schritt Wildtierkunde: Lebensraum und Verhalten der Tiere

Wildtiere ausfindig machen

Um deine Erfolgsaussichten zu maximieren oder überhaupt ein wildes Tier anzutreffen, ist es nötig, dass du dir ein bisschen Zeit nimmst und recherchierst, wo das Wildtier schläft, wovon es sich ernährt und zu welchen Zeiten es aktiv ist. So kannst du Zeit und Raum schonmal gut eingrenzen und hast es später leichter dein tierisches Fotomotiv ausfindig zu machen.

An Orten, die einem nicht vertraut sind, findet man online mehr Informationen als man glaubt, denn die lokale Presse berichtet immer über Renaturierungsmaßnahmen (z.B. Flüsse entgradigen oder Aufforstungen), erfolgreiche Wiederansiedlungen von Tieren (z.B. Biber) oder das Engagement der Bürger um den Bestand einer bestimmten Art zu erhöhen (z.B. Rebhuhn).

Störungen vermeiden
Der nächste Schritt wäre sicherzustellen, dass man die Tiere nicht stört oder in irgendeiner Weise negativ beeinflusst. Das bedeutet, wie bereits vorher im Beitrag geschrieben, zu Balz-, Paarungs und Brutzeit oder der Jungenaufzucht gar nicht erst zu fotografieren oder sich unauffällig, mit entsprechendem Abstand zu positionieren.
Einzigartige Aufnahmen

Für wirklich einzigartige Aufnahmen, ist es besonders wichtig die Verhaltensweisen der Tiere deuten zu können, damit man es nicht verpasst, im richtigen Moment den Auslöser zu drücken.

Fasane bei der Paarung
Hier einige Beispiele:
  • Der Fasanenhahn versucht sich tagelang an der Paarung, doch es gibt nur wenige Augenblicke, in denen die Henne die Paarung zulässt. Dies signalisiert die Henne durch Senken des Kopfes. Die eigentliche Paarung kann nach dutzenden fehlgeschlagenen Anbalzversuchen ganz plötzlich passieren. Wer diese Eigenart des Fasans nicht kennt, der wird diesen besonderen Moment, trotz stundenlangem Ansitz wahrscheinlich verpassen.
  • Dachse sehen nicht besonders gut. Wenn man also beim Abendspaziergang zufällig auf ein oder zwei Exemplare treffen sollte, dann kann man sich allein durch still halten bei diesen Tieren schon sehr gut tarnen.
  • Wenn man einen Rehbock beobachtet und das Tier aus irgendeinem Grund auf einen aufmerksam wird und nicht sofort flieht, dann ist die Chance hoch, dass er bellt. Hier kann man sich schon vorbereiten und die Kamera auf die schnellste Serienbildgeschwindigkeit stellen und ggf. Pre-Burst aktivieren um den Moment einzufangen.

Außerdem macht es immer wieder Spaß sein theoretisches Fachwissen durch Beobachtungen vor Ort zu untermauern. Besonders interessant wird es, wenn man Dinge beobachten kann, die so in keinem, noch so detaillierten Fachbuch zu finden sind.

Tipp: Ältere Fachbücher von den 30er Jahren bis in die 80er Jahre hinein, sind oft schwerer verständlich und wenig bebildert. Dafür enthalten diese Bücher eine geballte Ladung tiefgreifendes Fachwissen. Besonders die Werke aus der ehemaligen DDR sind sehr zu empfehlen. Für einige Tiere gibt es ohnehin keine aktuellen Titel zu kaufen.

2. Schritt: Die Location auswählen

Sobald man ausfindig gemacht hat, in welchem Waldstück, Gewässer oder Grasland ein Tier zu finden ist, sollte man eine größere Erkundungstour starten. Neben den ersten Gedanken zur Objektivwahl, der möglichen Tarnausrüsung oder der Lichtstimmung, gilt es das Tier und somit den erfolgsversprechendsten Ansitzplatz ausfindig zu machen.

Daher sollte man sich bei der Erkundungstour folgende Fragen stellen:
  1. Wo befinden sich potentielle Schlafplätze (Baue, Bäume, Löcher, etc)?
  2. Wo findet sich die Hauptnahrungsquelle, bzw. die Nahrungsquelle der Hauptnahrungsquelle?
    Beispiel: Was fressen Füchse? –> Mäuse -> Was fressen Mäuse? -> Samen, Früchte, Bucheckern, Haselnüsse, Knospen und Insekten.
  3. Finden sich in der Nähe von potentiellen Schlafplätzen oder Futterstellen Tierspuren? Halte hier besonders Ausschau nach Losungen (Tierkot), Schlafsuhlen, Löcher in Baum und Boden, Fraßspuren, Haare und Federn oder abgeknabberte Knospen.
Besonders einfach zu erkennen sind Wildwechsel (Wildpfade) im Gras, auf dem Waldboden oder im Laub.

Wenn man an diesen Stellen nach weichen, bzw. matschigen Stellen im Boden Ausschau hält, dann findet man schnell Tierspuren. Besonders erfolgsversprechend sind hier die Morgenstunden, denn dann sind die Spuren der Nacht noch frisch und leichter zu erkennen.



Wildkameras als nützlicher Helfer
Wildkamera zum Beobachten einer SteinkauzröhreHier habe ich eine Wildkamera genutzt um einen Nistkasten zu überwachen. Einen ganzen Monat lang lieferte die Kamera täglich Aufnahmen eines Steinkauzes. Meine Vorfreude auf ein spannendes Fotoprojekt mit Jungvögeln im Frühjahr war groß, bis ein Steinmarder den Vogel verspeist hat...

Wenn du mehrere Locations auskundschaftet hast und wissen willst, welche Tiere sich dort in deiner Abweisenheit tummeln, dann kannst du eine Wildkamera zuhilfe nehmen. Selbst die günstigen Modelle unter 80 € erfüllen Ihren Zweck und lassen Informationen zur Aktivität, Vorkommen und Verhalten der Tiere zu.

Achte beim Kauf auf den Zusatz No-Glow (940 nm). Die Zahl steht für die Wellenlänge des LED-Blitzes für Nachtaufnahmen. 940nm kann von Tier und Mensch nicht gesehen werden, während die sog. Low-Glow Infrarot-LED´s mit 850 nm von vielen Tieren gesehen werden können. Diese haben jedoch eine etwas bessere Ausleuchtung.

Noch ein Tipp: Normal werden die Wildkameras mit dem beiliegenden Band an einem Baum befestigt. Dies sorgt zwar für eine optimale Höhe, wo man Kleintiere, genauso wie Rehe aufnehmen kann, doch wird die Kamera leicht entdeckt und geklaut. Besser ist es, die Wildkamera auf ein kleines Tischstativ zu schrauben und unter einem Busch (zum Beispiel am Wildpfad) in den Boden zu stecken.

Hier sind 3 Wildkameras (no-Glow), die ich empfehle, inkl. Zubehör
Wildkameras und Zubehör (Amazon-Ideenliste von waldfoto.de)

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3. Schritt: Zeitpunkt zum Fotografieren auswählen

Wenn alle Informationen zu den tierischen Fotomotiven gesammelt sind, so sollte man ungefähr wissen, wann sich die Tiere wo aufhalten. So kann man sich bereits frühzeitig zum Fotoansitz begeben, ohne Gefahr zu laufen von den Tieren entdeckt zu werden.

Wer in Wäldern mit engem Wegenetz fotografieren möchte, der sollte einen Tag wählen, der bei Spaziergängern nicht so beliebt ist, also am besten kalt und bewölkt. Die Tiere sind an diesen Tagen weniger vorsichtig und lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

Endlich vor Ort: Tipps für einen erfolgreichen Fototag

Bildgestaltung – Vordergrund und Hintergrund

Manchmal kann man durch Nutzung des Vordergrundes auch eine Geschichte erzählen.Zugegeben, meine Schuhe im Vordergrund machen das Bild nicht schöner, dafür erzählen sie aber eine Geschichte

Die meisten ambitionierten Einsteiger haben die Kameratechnik schnell im Griff und produzieren Bilder, wo der Fokuspunkt genau da sitzt, wo er sitzen soll. Leider ist dieses Können noch lange kein Garant für schöne Bilder. Damit ein Bild ästhetisch auf den Bildbetrachter wirkt, müssen einige Dinge in der Bildgestaltung bedacht werden.

Der Vordergrund

Besonders, wenn man liegend fotografiert, „stören“ häufig Äste, Grashalme und Büschel. Doch oft kann man diese störenden Dinge mit ein bisschen Ausprobieren ins Bild einbauen. Umso weiter das eigentliche Motiv vom Vordergrund entfernt ist, desto besser verschwimmt das Ganze zu einem ansehnlichen Bildrahmen. Erst dieser Trick verleiht vielen Bildern erst einen magischen Charakter.

Der Hintergrund
Der Zaun im Hintergrund zerstört das ganze bildBesonders menschengemachte Strukturen im Hintergrund sind ein No-Go in der Naturfotografie

Um den Hintergrund freizustellen hilft eine lange Brennweite und/oder eine offene Blende. Ein 600mm f4 an Vollformat verwandelt nahezu jeden Hintergrund in eine angenehme Unschärfe. Wenn du die 13.999 € aber gerade nicht übrig hast, bleibt dir nichts anderes übrig als einige der folgenden Faktoren zu beachten:

  • Umso weiter der Hintergrund vom fokussierten Motiv (z.B. ein Reh) entfernt ist, desto besser verschwimmt er in Unschärfe
  • Umso näher du am Motiv dran bist, desto besser verschwimmt der Hintergrund in Unschärfe
  • Meide wenn möglich unruhige Hintergründe, zum Beispiel wenn das Wildtier direkt vor Geäst steht. Eventuell kannst du vorsichtig die Aufnahmeposition wechseln?
  • Achtung leichte Schummelei: Maskiere den unschönen Hintergrund in Lightroom, Photoshop oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm und schraube den Regler für Struktur herunter und Rauschreduzierung hoch. Auf diese Weise erhält man die Grundstruktur, bringt aber ein wenig Ruhe in den Hintergrund, ohne das Ganze unrealistisch aussehen zu lassen.

(fast) Immer auf Augenhöhe fotografieren

Einem Jäger ist der Hintergrund seines Jagdwildes wahrscheinlich ziemlich egal, daher schießt er am liebsten vom Hochsitz, wo die Kugel im Boden landet und keinen Schaden anrichten kann. Leider sind die Hochsitze ziemlich schlecht zum Fotografieren von Wildtieren geeignet.

Die entstehenden Aufnahmen haben maximal dokumentarischen Charakter. Für ansehnliche Aufnahmen ist es unerlässlich den Wildtieren mehr oder weniger auf Augenhöhe zu begegnen.

Fasan bei der Gefiederpflege uaf Augenhöhe fotografiertAus einer erhöhten Aufnahmeposition wäre das Foto wohl nichts geworden. [Panasonic G81 mit Leica 100-400@f4.5, 141mm, 1/640s, ISO 250]

Warum Geduld in der Wildtierfotografie so wichtig ist

Trotz aller Vorbereitungen, Erkundungstouren und langen Anfahrten, kommt man oft über Stunden, manchmal über Tage nicht zu dem gewünschten Bild. Selbst wenn die Windrichtung und die Tarnung stimmen, kann es passieren, dass sich das tierische Fotomotiv nicht am gewohnten Ort und Zeitpunkt blicken lässt. Das kann viele Gründe haben: Die Tiere haben neue Nahrungsquellen erschlossen oder sie nehmen zum Beispiel Holzarbeiten als Gefahr dar und halten entsprechend Abstand.

Es kann auch sein, dass die Tiere an ihren eigentlich abgeschiedenen Ruheplätzen gestört wurden. Das kann dazu führen, dass diese Plätze über Tage komplett gemieden werden und sich auch die Routen der Wildtiere entsprechend ändern.

In jedem Fall zahlt sich Geduld, gutes Fachwissen über die Art und eine gute Beobachtungsgabe aus. Besonders durch Erkundungstouren und intensives Beobachten kann man unnötiges Warten an der falschen Location oft vermeiden. Wenn es dann aber die richtige Location ist, so bleibt einem nichts anderes übrig als Warten und Tee trinken.

Für Naturfotografen ist das in der Regel aber kein Problem, da wir die Zeit in der Natur genießen. Das Rauschen der Bäume, das zwitschern verschiedenster Vögel, der frische Wind… du weißt worauf ich hinaus will.

Bei berufstätigen Eltern kann sich die erforderliche Geduld auf das gewünschte Foto über Jahre ausstrecken. In dem Fall halte dir dein „Traumfoto“ immer im Hinterkopf, irgendwann ergibt sich die Gelegenheit…

Licht in der Wildtierfotografie (Morgens und Abends am Besten #goldene Stunde)

Die besten Gelegenheiten - Morgens fotografieren

Direkt vorweg: Wer keine Probleme damit hat früh aufzustehen, sollte noch vor Sonnenaufgang vor Ort sein. Morgens hat man mitunter das beste Licht und meistens bekommt man nacht-, als auch tagaktive Tiere vor die Linse.

Kann frustrierend sein - Tagsüber fotografieren

Mittags und nachmittags kämpft man besonders an sonnigen Tagen mit schlechten Lichtverhältnissen. Selbst im Wald hat man ständig völlig ausgebrannte Bereiche im Foto. Dazu kommt der hohe Besucheranstrom bei gutem Wetter, dann lassen sich die Tiere erst recht nicht blicken. Bei bewölktem Himmel mit maximal leichten Regenschauern zwischendurch bleibt man selbst, als auch die Tiere meist ungestört. Also gilt: Bei gutem Wetter mit Familie oder Freunden in den Wald, bei schlechtem Wetter nimmst du stattdessen die Kamera 😊

Wenn´s Morgens nicht geht - Abends fotografieren

Abends herrschen zwar ähnlich gute Lichtverhältnisse wie morgens, aber man muss auf schönen Nebel verzichten und hat an heißen Tagen mit Hitzeflimmern zu kämpfen. Dazu sind die Tiere, zumindest an schönen Tagen, abends deutlich scheuer als morgens. Die Chance auf nachtaktive Tiere wie Fuchs und Dachs zu treffen ist abends dagegen hoch.

Tiere mit Blitz fotografieren

Das Fotografieren von Wildtieren mit dem Blitz war zu Analogzeiten noch sehr verbreitet, allerdings damals schon stark umstritten. Während einige Tiere den Blitz nicht als Gefahr wahrnehmen, sondern vermutlich für Wetterflimmern halten, geraten Andere sofort in Panik.

Ich persönliche würde im Allgemeinen vom Gebrauch eines Blitzes mit dem sog. Teleblitzvorsatz abraten. Wir wissen nie genau, wie ein wildes Tier darauf reagiert und die Bilder sehen ohnehin unnatürlich aus. Es kann jedoch Sonderfälle geben (zu Forschungszwecken, Eulen in Menschennähe), in denen der Einsatz eines Blitzes sinnvoll sein kann. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, wirst du hier fündig: Review mit allgemeinen Infos zum Better Beamer Teleblitzvorsatz FX-3 bei photo-outdoor.de

Schlusswort

Das Fotografieren von wilden Tieren ist ein Hobby das einen mental und physisch an die eigenen Leistungsgrenzen bringen kann. Schlaflosigkeit, Hitze, Kälte. Feuchtigkeit und Frustration geben sich nach jedem Fotoabenteuer die Hand. Außerdem ist es immer wieder eine Herausforderung dem Partner oder der Partnerin die hohen Ausgaben und den Zeitaufwand zu rechtfertigen.

Doch all das zahlt sich schnell aus. Ich habe oben nicht umsonst das Wort „Fotoabenteuer“ benutzt. Genauso wie beim Klettern, Jagen oder Kajak fahren erlebt man etwas, wovon man die ganze Arbeitswoche zehren kann. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber die Wildtierfotografie ist schon lange nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Die Erfahrungen, Erlebnisse und einfach die Zeit in der Natur sind Gold wert, wirklich!

Ich hoffe, dass du den ein oder anderen Tipp aus meinem Beitrag gewinnen konntest und wünsche dir und deiner Kamera viele großartige Abenteuer!



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Beitrag zuletzt bearbeitet am 11.07.2021

Über den Autor

Sven Caspers Naturfotograf

Geschrieben von Sven Caspers. Naturfotograf, Gießereimeister und Inhaber von waldfoto.de
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