Sensorgröße, Crop-Faktor und ihre Auswirkungen auf das Bild

Vergleich der verschiedenen Sensorgrößes Vollformat, APS-C und FourThirds
Über den Crop-Faktor, die verschiedenen Sensorgrößen und ihre Auswirkungen auf Brennweite, Blende und Rauschverhalten sind erschreckend viele Falschinformationen im Netz unterwegs.

Damit möchte ich in diesem Artikel aufräumen und euch beibringen, wie sich die Brennweite, bzw. der Bildwinkel mit dem Crop-Faktor verändert und welche Auswirkungen das auf die Blende und somit die Schärfentiefe und das Bokeh hat.

Außerdem zeige ich euch, wie man mithilfe des Crop-Faktors die Brennweite, Blende und das Rauschverhalten an APS-C und FourThirds-Sensoren berechnet. Am Ende des Artikels stelle ich euch noch Übersichten in Tabellenform zu den „gecroppten“ Brennweiten, sowie den Sensorgrößen mit Crop-Faktoren zur Verfügung.

Sensorgröße & Crop-Faktor – Vollformat, APS-C und FourThirds

Zu Analogzeiten wurden die Kameras entsprechend der Größe der Filme von Fuji, Agfa & Co gebaut. Das häufigste Format war damals das Kleinbildformat mit einer Größe von 36 x 24mm. Das entspricht auch der heutigen Größe von Vollformatsensoren (z.B. Nikon D850, Sony Alpha 7).

Die Vollformatsensoren haben sich allerdings erst später durchgesetzt. In den Anfängen der digitalen Fotografie haben die Hersteller aus Kostengründen auf kleinere Sensoren zurückgegriffen. So entstanden die Formate APS-C, APS-H und FourThirds.

Was bedeutet Crop-Faktor?

Durch den kleineren Sensor der APS-C, APS-H oder auch FourThirds-Kameras wird ein kleinerer Teil des Objektivs genutzt und das Bild, quasi in der Mitte beschnitten. Dieser „Beschnitt“ wird Crop genannt. Der Crop-Faktor beschreibt rechnerisch das Verhältnis des „Crop“-Sensors zum Vollformatsensor, zum Beispiel 1,5x bei APS-C und 2x bei FourThirds.

Mithilfe dieses Crop-Faktors kann man sich unter anderem die resultierende Brennweite im Vergleich zum Kleinbild/Vollformat ausrechnen.
Dabei ist zu beachten, dass sich die Brennweite an sich, inklusive alle Ihrer physikalischen Eigenschaften, nicht verändert, sondern nur der Bildwinkel. Deshalb spricht man auch von „kleinbildäquivalent“.

Es gab auch zu analogen Zeiten kleinere Filme und somit den Crop-Faktor. Während der APS-Film sich nie wirklich durchsetzen konnte, erfreute sich der „Pocketfilm“ (17 x 13mm) großer Beliebtheit. Der kleinste Film war der sog. „Kleinstbildfilm“ der bekannten Minox „Spionagekameras“ mit einer Größe von 11 x 8mm.



Übersicht der verschiedenen Sensorgrößen: Mittelformat, Vollformat, APS-C, FourThirds, 1 Zoll, 1/2 Zoll und 1/3.6 ZollÜbersicht aller gängigen Sensorgrößen. In der Tabelle unten findet Ihr die entsprechenden Daten dazu.

Sensorformat Sensorgröße Crop-Faktor Beispielkamera
Mittelformat 43,8 x 32,9 0,65 Hasselblad H6D-100c
Vollformat 36 x 24 - Canon EOS R6
APS-C 23,5 x 15,6 1,5 Fujifilm X-T4
FourThirds 17,3 x 13 2 Panasonic G9
1 Zoll 12,8 x 9,6 2,7 Sony RX100
1/2 Zoll (Wildkamera) 6,4 x 4,8 5,4 Secacam Pro Plus
1/2.3 Zoll (Kompaktkamera) 6,16 x 4,62 5,6 Olympus Tough TG-6
1/3.6 Zoll (Handy) 5mm x 4mm 6,7 iPhone 12 Pro

Schnelle Fakten zu Crop-Faktor und Sensorgröße

microFourThirds Kamerasensor mit Crop-Faktor

Zum Einstieg 9 schnelle Fakten zu Crop-Faktor und Sensorgröße. Die Erklärungen dazu folgen im weiteren Verlauf des Beitrags...

  • Der Crop-Faktor definiert sich durch die Sensorgröße. Je kleiner der Sensor, desto höher der Crop-Faktor.
  • Das Kleinbilformat mit einer Größe von 36 x 24mm gilt als Vergleichsstandard zu anderen Sensorformaten, daher spricht man von „kleinbildäquivalent“.
  • Der Crop-Faktor an Mittelformatkameras ist kleiner als 1, die kleinbildäquivalente Brennweite verringert sich also, sprich der Bildwinkel wird weiter.
  • Durch den Crop-Faktor ändert sich die eigentliche Brennweite nicht!
  • Durch den Crop-Faktor, bzw. die Sensorgröße ändert sich die Schärfentiefe nicht. Diese ist eine feste physikalische Komponente der Brennweite. Allerdings haben 12mm an FourThirds mit 2x Crop (24mm kleinbildäquivalent) bei gleichem Bildwinkel eine höhere Schärfentiefe als ein „echtes“ 24mm Weitwinkel.
  • Die perspektivische Wirkung (z.B. breites Gesicht im Weitwinkel) ist abhängig vom resultierenden Bildwinkel und ändert sich somit je nach Sensorgröße, bzw. Crop-Faktor.
  • Objektive, die für kleine Kamerasensoren gerechnet wurden, lassen sich mit weniger Aufwand, optisch besser korrigieren. Daher haben Objektive, die speziell für den APS-C oder FourThirds Bildkreis gerechnet wurden, entweder herausragende optische Eigenschaften oder sind deutlich günstiger als Objektive für Kleinbild (Vollformat).
  • Umso größer der Sensor, desto größer die Reserven des Bildsignals (ISO-Rauschen, Dynamikumfang).
  • Auch die ISO-Empfindlichkeit lässt sich mit einem Crop-Faktor berechnen. Zum Beispiel entsprechen ISO 3200 an Vollformat dem Rauschverhalten von ISO 800 an microFourThirds.

Wie berechne ich die resultierende Brennweite mithilfe des Crop-Faktors?

Die kleinbildäquivalente Brennweite lässt sich berechnen, indem man die Brennweite des Objektivs mit dem Crop-Faktor multipliziert.

Beispiele mit dem Minolta MD 100mm f4 Makro:

An einer Sony A6400 (APS-C):
100mm x Crop-Faktor 1,5 = 150mm kleinbildäquivalent

oder

An einer Panasonic G5 (FourThirds):
100mm x Crop-Faktor 2 = 200mm kleinbildäquivalent


Der Crop-Faktor der Panasonic G5 (FourThirds-Sensor) beträgt 2x. Das ergibt mit dem Minolta MD 100mm f4 Makro eine kleinbildäquivalente Brennweite von 200mmDer Crop-Faktor der Panasonic G5 (FourThirds-Sensor) beträgt 2x. Das ergibt mit dem Minolta MD 100mm f4 Makro eine kleinbildäquivalente Brennweite von 200mm.

Auch wenn vom Hersteller ein Sensorformat, wie zum Beispiel APS-C angegeben wird, kann sich der Crop-Faktor je nach Kamera und Hersteller unterscheiden. Die APS-C Sensoren von Canon sind zum Beispiel etwas kleiner und haben einen Crop-Faktor von 1,6. Ein direkter Vergleich zwischen den Kameras ist außerdem schwierig, wenn es sich um unterschiedliche Bildformate handelt (meist 3:2 oder 4:3).

In der Tabelle weiter oben im Beitrag wurde daher der Crop-Faktor nach der Diagonalen des Sensors berechnet. Im Weitwinkel macht das jedoch wenig Sinn. Hier sollte der Crop-Faktor nach der Breite zum Vergleich herangezogen werden. Weiter unten findet Ihr eine ausführliche Tabelle mit (fast) allen Crop-Faktoren in Diagonale, Breite und Höhe der unterschiedlichen Kamerahersteller (nur Systeme mit Wechselobjektiven).


Der Begriff „Crop“ (zu Deutsch: Schnitt) ist übrigens etwas irreführend, wenn man das Ganze aus Sicht von Mittelformatkameras betrachtet. Auch hier wird eine kleinbildäquivalente Brennweite berechnet. Der Sensor ist hier aber größer als an Kleinbild/Vollformat. Eine Hasselblad H6D-100c besitzt einen Crop-Faktor von 0,65. Aus 100mm werden hier also 65mm kleinbildäquivalente Brennweite!


Weitere Beispiele mit verschiedenen Sensorformaten und Objektiven:

  • Ein Sony SEL 55-210mm Objektiv wird an einer Sony APS-C Kamera (z.B. Sony A6400) zu einem 82,5-315mm (kleinbildäquivalent).
  • Ein Nikon G 24-70 f2.8 wird an einer Nikon APS-C Kamera zu einem 36-105mm (kleinbildäquivalent).
  • Ein Olympus 12-100 f4 wird an einer microFourThirds Kamera (z.B. Panasonic G9) zu einem 24-200mm (kleinbildäquivalent).
  • Ein Hasselblad HCD 24mm f4.8 wird an der Mittelformatkamera zu einem 15,6mm (kleinbildäquivalent).

Wie verhält sich der Crop-Faktor mit einem Telekonverter oder Speedbooster?

In den Fall rechnet man sich erst die Brennweite aus der Kombination aus Objektiv und Telekonverter/Speedbooster aus und multipliziert dann mit dem Crop-Faktor.

Beispiel mit Telekonverter:

An einer Sony A6400 (APS-C) mit 1,4x Telekonverter:
100mm x 1,4x Telekonverter = 140mm
14omm x Crop-Faktor 1,5 = 210mm kleinbildäquivalent

und mit Speedbooster:

An einer Panasonic G9 mit Speedbooster:
100mm x 0,71 Speedbooster = 71mm
71mm x Crop-Faktor 2x = 142mm kleinbildäquivalent

und nochmal das Beispiel mit der G5

An einer Panasonic G5 mit 2x Telekonverter:
100mm x 2x Telekonverter = 200mm
200mm x Crop-Faktor 2 = 400mm kleinbildäquivalent


Der Crop-Faktor der Panasonic G5 (FourThirds-Sensor) beträgt 2x. Das ergibt mit dem Minolta MD 100mm f4 Makro eine kleinbildäquivalente Brennweite von 200mmDer Crop-Faktor der Panasonic G5 (FourThirds-Sensor) beträgt 2x. Das Minolta MD 100mm f4 Makro mit dem 2x Telekonverter ergibt eine Brennweite von 200mm. Also mit Crop-Faktor 400mm kleinbildäquivalent

Welche Brennweite stelle ich im Menü zur Bildstabilisierung bei einer Crop-Kamera ein?

Bei manuellen und adaptieren analogen Objektiven gibt es meist keine Möglichkeit die Informationen zur verwendeten Brennweite an die Kamera zu übertragen. Damit der kamerainterne Bildstabilisator arbeiten kann, muss allerdings die Brennweite von Hand im Menü der Kamera eingetragen werden. Die meisten Kameras rufen von selbst dazu auf, sobald die Kamera erkennt, dass ein Objektiv angebracht wurde, dass keine elektronischen Informationen überträgt.

In dem Fall stellen sich die meisten Benutzer von Crop-Sensoren (APS-C/mFT) die Frage, ob hier die physikalische oder die resultierende (kleinbildäquivalente) Brennweite angegeben werden muss.

Antwort: Im Menü der Kamera muss die „echte“ Brennweite angegeben werden. Die Kamera weiß selbst, dass sie einen Crop-Faktor besitzt. Ein Minolta MD 35mm bleibt also ein 35mm.

Brennweite an der Kamera für ein adaptiertes Objektiv anbringen, um die kamerainterne Bildstabilisierung nutzen zu könnenDie meisten aktuellen Kameras verfügen über eine interne Bildstabilisierung. Die Brennweite für Objektive ohne elektronische Übertragung lässt sich im Menü einstellen.

Zum Thema Schärfentiefe und Bokeh an APS-C und FourThirds-Kameras

Die Schärfentiefe, also der scharfe Bereich im Bild wird natürlich über die Blende gesteuert. Allerdings hat ein Objektiv umso mehr Schärfentiefe, je weiter es ist. Mit einem 24mm Weitwinkel kann man nur noch freistellen, wenn man die Blende weit öffnet (z.B. f2) und so nah wie möglich an das Objekt herangeht. Mit einem 50mm Objektiv geht das schon deutlich besser.

Doch jetzt kommt das Problem mit APS-C und FourThirds: Zum Beispiel an der Olympus OM-D EM10 entspricht ein 25mm Objektiv einer Standardbrennweite von 50mm. Die Tiefenschärfe des Objektivs entspricht aber weiterhin dem an Vollformat, also einem 25mm Weitwinkel!

Wer also an Kameras mit Crop-Sensoren freistellen möchte, benötigt entsprechend weiter geöffnete Blende entsprechend dem Crop-Faktor.

Wie rechne ich die Blende an einer Kamera mit Crop-Faktor um?

Die Blende kann hier einfach mit dem Crop-Faktor multipliziert werden.

Ein Panasonic 25mm f1.4 (Crop-Faktor 2x) entspricht kleinbildäquivalent einem 50mm f2.8. Die Bildhelligkeit entspricht in der Praxis jedoch weiterhin einem f1.4.

Beispiel:

Vollformat: 50mm f2.8
APS-C: 35mm f1.8
FourThirds: 25mm f1.4


Die Lichtstärke verändert sich in der Praxis nicht! Sprich: Ein Bild ist mit der gleichen eingestellten Blende und Verschlusszeit an microFourThirds genauso belichtet, wie an der Vollformatkamera. Sprich: Die Bildhelligkeit ändert sich durch den kleineren Sensor nicht.



Video-Tipp: Mythen beim Thema Cropfaktor: Die Blende / Bokeh

Fotograf Florian Krammel erklärt hier anhand eines Beispiels sehr verständlich den Zusammenhang zwischen Blende und Bokeh am Crop-Faktor.

Hier geht´s zum Video auf YouTube: CROP FAKTOR EINFACH ERKLÄRT I Mythen beim Thema Cropfaktor: Die Blende / Bokeh


ISO Crop Faktor: Zusammenhang von ISO-Empfindlichkeit und Sensorgröße

Umso kleiner ein Kamerasensor ist, desto weniger Licht kann er aufnehmen. Das führt dazu, dass der Kamerasensor das Bildsignal elektronisch verstärken muss, um die genormte ISO-Helligkeit zu erreichen.

Zum Beispiel, der FourThirds Sensor der Panasonic G9 ist etwa ein Viertel so groß, wie der Vollformatsensor einer Canon EOS R6. Also muss die Panasonic G9 viermal so viel Licht einsammeln wie die EOS R6.

Um aber den ISO-Standards entsprechen zu können, arbeitet die Panasonic G9 mit einer höheren Grundempfindlichkeit, damit die G9, als auch die EOS R6 bei zum Beispiel ISO 800 und der gleichen Blende und Verschlusszeit dieselbe Bildhelligkeit erreichen. Das führt an der Kamera mit dem kleinen Sensor (G9) zu einem höheren Grundrauschen. Das Rauschverhalten der G9 entspricht bei ISO 800 in etwa dem der EOS R6 bei ISO 3200!

Wie berechne ich den Crop-Faktor für die ISO-Werte?

Um das Rauschverhalten der verschiedenen Sensorgrößen vergleichen zu können, muss man den ISO-Wert mit dem Crop-Faktor² multiplizieren.

ISO Crop-Faktor (Crop-Faktor²)
CX (Nikon 1) 7,3x
microFourThirds 4x
Canon APS-C 2,6x
APS-C 2,3x
Vollformat -
Mittelformat (Leica S) 0,64x
Mittelformat (Hasselblad H) 0,4225x

Beispiel: Bernd möchte gerne Wildlife fotografieren, doch ein Teleobjektiv für seine Vollformatkamera ist Ihm zu schwer. Er überlegt, ob er auf APS-C oder mFT mit einem, vergleichsweise kleinen und leichten Teleobjektiv umsteigen soll.

Die Bilder seiner Canon EOS 5D Mark IV entsprechen bis ISO 6400 seinen Qualitätsansprüchen. Um herauszufinden, wie weit er den ISO-Wert bei gleichen Rauschverhalten an APS-C und mFT (ungefähr) hochschrauben kann, führt er folgende Rechnungen durch:

An Nikon oder Fujifilm APS-C:
Vollformat ISO 6400 / APS-C ISO Crop-Faktor 2,3x = ISO 2782

An Canon APS-C:
Vollformat ISO 6400 / Canon APS-C ISO Crop-Faktor 2,6x = ISO 2461

An Olympus/Panasonic mFT:
Vollformat ISO 6400 / mFT ISO Crop-Faktor 4x = ISO 1600

Antwort: Ein APS-C Sensor rauscht bei ISO 2800 so stark, wie der Vollformatsensor der Canon EOS 5D Mark IV bei erst ISO 6400. Beim mFT-Sensor ist für Bernds Ansprüche schon bei ISO 1600 Schluss.

Hinweis: Der Vergleich vom Rauschverhalten der verschiedenen Sensorgrößen kann natürlich nur als grobe Orientierung gesehen werden. Leider lässt sich das Alter der Kamera nicht sinnvoll über einen Faktor in die Formel mit einbringen. Auch die Anzahl der Megapixel ist kein Faktor, den man 1:1 übertragen kann.

ISO-Crop-Faktor mit Megapixel-Faktor berechnen

Wer dennoch die Anzahl der Megapixel mit in die Berechnung einbringen möchte, sollte bedenken, dass ein Vergleich nur in 100%-Ansicht sinnvoll wäre. Beim Vergleich einer 50 Megapixel-Kamera mit einer 25-Megapixel Kamera, wäre der zu vergleichende Ausschnitt an der Kamera mit der höheren Auflösung natürlich doppelt so groß. Wenn man aber das gesamte Bild auf dem Monitor betrachtet, sind die Unterschiede nicht so einfach hochzurechnen.

Formel: (Referenz-ISO-Wert / ISO-Crop-Faktor) x (Megapixel Referenzkamera / Megapixel Vergleichskamera)


Hier ein Beispiel anhand der Panasonic S1R mit 47 MP Vollformatsensor vs. Fujifilm X-T4mit 26,1 MP APS-C-Sensor:

Megapixel-Faktor: 47 MP / 26,1 MP = 1,8
ISO 6400 (S1R) / APS-C ISO Crop-Faktor 2,3 = ISO 2782
ISO 2782 / 1,8 = ISO 5009

Antwort: Wenn wir die Sensorgröße, als auch die Anzahl der Megapixel in die Rechnung mit einbringen. Dann hat die Fujifilm X-T4 bei ISO 5000 theoretisch ein ähnliches Rauschverhalten, wie die Panasonic S1R bei ISO 6400.


Hinweis: Hier sollten nur Kameragenerationen der letzten 4 bis 5 Jahre miteinander verglichen werden. Es macht keinen Sinn das Rauschverhalten einer Nikon D3 (Vollformat) von 2007 mit einer Fujifilm X-T4 (APS-C) von 2020 zu vergleichen.
So viel hat sich in all den Jahren jedoch auch nicht getan. Die Bilder meiner alten Nikon D3 sind der mFT-Kamera Panasonic G9 aus dem Jahre 2017 bei ISO 3200 immer noch überlegen. In 10 Jahren Entwicklung war es also nicht möglich das Bildrauschen um den Faktor 4x zu verbessern (eher 2x).

Vor- und Nachteile von Vollformatkameras

  • Aktuelle Vollformatsensoren mit 24 Megapixel oder weniger erlauben rauscharme Bilder bis ISO 6400. Mit Nacharbeit in spezieller Entrauschsoftware (z.B. Topaz DeNoise) ist auch problemlos ISO 12800 möglich
  • Höhere Auflösung möglich bei akzeptabler ISO-Performance (Panasonic S1R: 47 MP, Canon EOS R5: 45MP, Sony Alpha 1: 50 MP, Sony Alpha 7R IV: 61 MP)
  • Sehr guter Dynamikumfang (Bedeutet: In der Nachbearbeitung lassen sich helle und dunkle Bereiche mit wenig Verlust an Details wiederherstellen)
  • Gute Freistellungsmöglichkeiten (Schöne Hintergrundunschärfe, Motiv wird besser vom Hintergrund hervorgehoben)
  • Geringere Schärfentiefe (kann durch Abblenden kompensiert werden
  • Elektronischer Verschluss (geräuschloses Auslösen) oft unbrauchbar. Durch den „Rolling-Shutter“-Effekt kann der große Sensor nicht schnell genug ausgelesen werden. Bei den neuen Top-Modellen von Sony (Alpha 1, Alpha 9) und Canon (EOS R5, EOS R6) haben die Hersteller das Problem aber bereits gut in den Griff bekommen

Vorteile und Nachteile von Kameras mit kleineren Sensoren/Crop-Kameras (APS-C und FourThirds)

  • Kameras sind günstiger (außer, der höhere Preis definiert sich durch andere Profifunktionen, z.B. bei der Olympus OM-D E-M1X)
  • Objektive sind kleiner und leichter.
  • Durch den Crop-Faktor kommt man näher ran, also besonders interessant für Wildtierfotografen.
  • Der kleinere Sensor wird schneller ausgelesen (besonders an mFT). Selbst bei älteren Kameras, kann der elektronische Verschluss (geräuschloses Auslösen) daher ohne Probleme genutzt werden (geringer Rolling-Shutter-Effekt)
  • Höhere Schärfentiefe (in der Praxis)
  • Geringere Freistellung (weniger Hintergrundunschärfe)
  • Schlechteres Rauschverhalten (siehe ISO-Crop-Faktor)

Tabelle - Übersicht aller Brennweiten zu verschiedenen Crop-Faktoren

Mithilfe dieser Tabelle lässt sich ermitteln, welchem Bildwinkel eine Brennweite äquivalent zum Kleinbildformat/Vollformat entspricht. In der linken Spalte findet sich die physikalische Brennweite (mit Kleinbild als Standard) und in den rechten Spalten die Brennweite, die dem Bildwinkel an Kleinbild entspricht.

Da es auch im Mittelformat deutliche Unterschiede in der Sensorgröße gibt, habe ich hier zwei Crop-Faktoren zur Auswahl gestellt.

Mittelformat (0,65x)Mittelformat (0.8x)APS-HAPS-CCanon APS-CFourThirds
Brennweite an Kleinbild0,650,81,31,51,62
53,2546,57,5810
63,94,87,899,612
7000000
85,26,410,41212,816
95,857,211,713,514,418
106,5813151620
117,158,814,316,517,622
127,89,615,61819,224
138,4510,416,919,520,826
149,111,218,22122,428
159,751219,522,52430
1610,412,820,82425,632
1711,0513,622,125,527,234
1811,714,423,42728,836
1912,3515,224,728,530,438
20131626303240
2113,6516,827,331,533,642
2314,9518,429,934,536,846
2415,619,231,23638,448
2516,252032,537,54050
2818,222,436,44244,856
3019,52439454860
3522,752845,552,55670
40263252606480
4529,253658,567,57290
5032,540657580100
5535,754471,582,588110
603948789096120
6542,255284,597,5104130
7045,55691105112140
7548,756097,5112,5120150
805264104120128160
8555,2568110,5127,5136170
9058,572117135144180
1006580130150160200
1207896156180192240
13587,75108175,5202,5216270
15097,5120195225240300
180117144234270288360
200130160260300320400
250162,5200325375400500
300195240390450480600
350227,5280455525560700
400260320520600640800
5003254006507508001000
6003904807809009601200
8005206401040120012801600
10006508001300150016002000
12007809601560180019202400

Übersicht aller digitalen Kamerasysteme mit Sensorgröße und Crop-Faktor (Diagonal, Breit und Hoch gerechnet)

Mithilfe dieser Tabelle lassen sich Sensorgröße, Bildformat und der Crop-Faktor eines Kamerasystems ermitteln. Um auch Crop-Faktoren von Systemen mit unterschiedlichen Bildverhältnissen miteinander vergleichen zu können, habe ich den Wert einmal in der Diagonalen (Standard), in der Breite und in der Höhe angegeben.

Besonders im Weitwinkel ist der Vergleich der Brennweiten zwischen 3:2 und 4:3 mit dem Crop-Faktor-Wert in der Breite sinnvoller als in der Diagonalen.

HerstellerBajonettBeispielkameraSensorformatVerh.GrößeCrop-Faktor aus DiagonaleCrop-Faktor aus BreiteCrop-Faktor aus Höhe
Klassische SLRMinolta MD, Canon FD, Leica R, uswMinolta XD7Kleinbild (Film)3:236 x241,001,001,00
CanonEFEOS-1D X Mark IIIVollformat3:236 x241,001,001,00
EF-S (EF)EOS 90DAPS-C3:222.3 x 14.81,621,611,62
MEOS M6 Mark IIAPS-C3:222,3 x 14,91,611,611,61
RFEOS R5Vollformat3:236 x241,001,001,00
FujifilmGGFX100SMittelformat4:343,8 x 32,90,790,820,73
Nikon FFinepix S5 ProAPS-C3:223 x 15,51,561,571,55
XX-E4APS-C3:223,5 x 15,61,531,531,54
HasselbladXX1D II 50CMittelformatca. 4:343,8 x 32,90,790,820,73
HH6D-50cMittelformatca. 4:343,8 x 32,90,790,820,73
HH6D-100cMittelformat4:353,4 x 400,650,670,60
VCFV 50CMittelformatca. 4:343,8 x 32,90,790,820,73
LeicaSS3Mittelformat3:245 x 300,800,800,80
MM8APS-H3:227 x 181,331,331,33
MM10Vollformat35,8 x 23,91,011,011,00
LSL2Vollformat3:236 x241,001,001,00
CL/TL (L)CLAPS-C3:223,6 x 15,71,531,531,53
FourThirdsDigilux 3FourThirds4:317,3 x 132,002,081,85
Mamiya LeafXFLeaf Credo 40Mittelformat4:343,9 x 32,90,790,820,73
XFLeaf Credo 80Mittelformat4:353,7 x 40,40,640,670,59
Minolta (Konica Minolta)Sony/Minolta ADynax 7DAPS-C3:223,5 x 15,71,531,531,53
NikonFX (F)D700Vollformat3:236,9 x 23,90,980,981,00
DX (F)D3500APS-C3:223,5 x 15,61,531,531,54
CX (Nikon 1)Nikon 1 J21 Zoll3:213,2 x 8,82,732,732,73
OlympusFourThirdsE-620FourThirds4:317,3 x 132,002,081,85
microFourThirdsPEN-FFourThirds4:317,3 x 132,002,081,85
Panasonic LumixFourThirdsDMC-L1FourThirds4:317,3 x 132,002,081,85
microFourThirdsG9FourThirds4:317,3 x 132,002,081,85
LS5Vollformat3:235,6 x 23,81,011,011,01
PentaxKK7APS-Cca. 3:223,4 x 16,51,511,541,45
KK1Vollformat3:235,9 x 241,001,001,00
QQ101/2.3 Zoll4:36,16 x 4,625,625,845,19
645645DMittelformat4:344 x 330,790,820,73
Phase OneXTXT IQ4 150 MP Camera SystemMittelformat4:353,4 x 400,650,670,60
SamsungPentax KGX-20APS-C3:223,4 x 15,61,541,541,54
NXNX300APS-C3:223,5 x 15,71,531,531,53
SigmaSASD14APS-C3:220,7 x 13.81,741,741,74
SAsd Quattro HAPS-H3:226,6 x 17,91,351,351,34
LFPVollformat3:235,9 x 23,91,001,001,00
SonyAAlpha 700APS-C3:223,6 x 15,81,521,531,52
AAlpha 900Vollformat3:236 x241,001,001,00
EAlpha 6500APS-C3:223,5 x 15,61,531,531,54
EAlpha 7 IIIVollformat3:235,8 x 23,91,011,011,00


Beitrag zuletzt bearbeitet am 01.03.2021

Über den Autor

Sven Caspers Naturfotograf

Geschrieben von Sven Caspers. Naturfotograf, Gießereimeister und Inhaber von waldfoto.de
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