IP-Schutzklassen erklärt und entschlüsselt

Spritzwassergeschützte Panasonic G91 mit Leica 100-400 im Gießkannen-Regen

Oft werden Kameras, Smartphones und auch viele andere elektronische Geräte mit den sog. IP-Schutzklassen beworben (z.B. IP66). In diesem Beitrag erkläre ich, was diese Schutzklassen bedeuten und wie man sie entschlüsselt.

Was ist eine IP-Schutzklasse?

Kameraequipment muss besonders in den Händen von Naturfotografen, aber auch in der Industrie, im Außeneinsatz (z.B. Überwachungskameras) oder in Kinderhänden extremen Bedingungen standhalten können. Dazu gehören zum Beispiel Staub, Strahlwasser, Morgentau, Stürze, Salzwasser oder Frost. Angaben zur Stoßfestigkeit, Tauchtiefe, Bruchsicherheit und Betriebsbereitschaft bei Minustemperaturen, werden vom Hersteller meist direkt angegeben.

Für den Schutz gegen Staub und Spritzwasser gibt es die sogenannten IP-Schutzklassen (nach DIN EN 60529). Hier wurden entsprechende Belastungstests genormt und dazugehörige Einstufungen entwickelt, an denen man ablesen kann, ob das Gerät für den entsprechenden Einsatzzweck ausreichend geschützt ist.

Die Norm findet man international auch als IEC 60529, sowie der alten deutschen Fassung VDE 0470-1. Die IP-Klassen haben aber die gleiche Bedeutung.

IP-Kennziffern entschlüsseln

Die Entschlüsselung der IP-Klassen mithilfe der Tabelle ist recht einfach. Die erste Kennziffer gibt den Grad gegen das Eindringen von Fremdkörpern an (z.B. Staub) und die zweite Kennziffer den Grad des Schutzes gegen das Eindringen von Wasser. Je höher die Zahlen, desto besser der Schutz.

1. Kennziffer
Schutz gegen Fremdkörper
2. Kennziffer
Schutz gegen Wasser
X keine Angabe keine Angabe
0 kein Schutz kein Schutz
1 Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ≥ 50 mm Schutz gegen Tropfwasser
2 Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ≥ 12,5 mm Schutz gegen fallendes Tropfwasser, bei einer Gehäuseneigung von bis zu 15°
3 Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ≥ 2,5 mm Schutz gegen fallendes Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte
4 Geschützt gegen feste Fremdkörper mit Durchmesser ≥ 1,0 mm Schutz gegen Spritzwasser von allen Seiten
5 Geschützt gegen Staub in schädigender Menge Schutz gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel
6 staubdicht Schutz gegen starkes Strahlwasser
7 - Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
8 - Schutz gegen dauerndes Untertauchen
9 - Schutz gegen Wasser bei Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung, speziell Landwirtschaft

Die Angabe zum Spritzwasserschutz gilt nicht für den Umgang mit Salzwasser.

Angaben der Kamerahersteller

Die meisten Kamerahersteller machen bei Ihren Systemkameras mit und ohne Spiegel, leider keine konkreten Angaben zur Schutzklasse. Meist findet man hier nur schwammige Aussagen wie „Staub- und Spritzwasser geschützt“, „wetterfest“ oder „mit 77 Dichtungen gegen Umwelteinflüsse geschützt“. Lediglich Olympus gibt für seine Profimodelle der E-M1(X)-Reihe die Schutzklasse IPX1 an (Bedeutung: keine Angabe zum Staubschutz, Schutz gegen Tropfwasser).

Wer mit seiner DSLR oder Spiegellosen im Regen fotografieren möchte, sollte peinlichst genau darauf achten, dass alle Klappen und Gummiabdeckungen geschlossen sind. Wichtig ist hier auch die Blitzschuhabdeckung zu montieren und offene Elektrokontakte für den Batteriegriff oder den Blitzsynchronanschluss, mit den vorgesehenen Schutzkappen zu schützen.

Solltest du eine wasserdichte Kamera suchen, achte auf Angaben zur Tauchtiefe, z.B. SeaLife DC2000 „bis zu 60m wasserdicht“.

IP-Schutzklassen bei Wildkameras

Bei Wildkameras weit verbreitet sind die Schutzklassen IP54, IP65, IP66. Zu empfehlen ist hier mindestens IP65 um die Kamera zuverlässig vor allen Wettereinflüssen zu schützen. Vorsicht ist aber beim Öffnen des Kameragehäuses geboten. Der Morgentau oder Regen sollte vorher mit einem Tuch abgewischt werden.
PS: Vor dem ersten Frost sollten die Dichtungen mit Gummipfleger (wie für Autotüren) oder Hirschtalg eingerieben werden, damit die Gummis auch nach starken Wintern intakt bleiben.

Wildkamera icucam4 mit Schutzklasse IP66

Über den Autor

Sven Caspers Naturfotograf

Geschrieben von Sven Caspers. Naturfotograf, Gießereimeister und Inhaber von waldfoto.de

Bei Fragen zum Artikel oder zu anderen Themen rund um Naturfotografie, könnt Ihr mir gerne schreiben